01. Feb. 2026

Was sind Tannine im Wein und woher kommen sie

Kompletter Überblick darüber, was Tannine im Wein sind und woher sie kommen: Traube (Schale, Kerne, Stielgerüst) und Fassausbau, inklusive praktischer Unterschiede in Textur und Struktur.

Was sind Tannine im Wein und woher kommen sie

Was sind Tannine im Wein und woher kommen sie?

Tannine im Wein sind natürliche Verbindungen, die wesentlich zur Struktur, Textur und zum Reifepotenzial beitragen—besonders bei Rotwein. Sie werden oft als “trocken” oder “griffig” beschrieben. Wer versteht, was Tannine sind und woher sie kommen, kann einen Wein besser einordnen, gezielter auswählen und seine Entwicklung im Laufe der Zeit nachvollziehen.

Im Wein stammen Tannine im Wesentlichen aus zwei Quellen: der Traube und dem Holz (Fassausbau). Beide prägen den Stil auf unterschiedliche Weise.

Kurzüberblick

  • Tannine im Wein stammen vor allem aus der Traube und bei ausgebauten Weinen zusätzlich aus dem Holz.
  • In der Traube sitzen Tannine hauptsächlich in Schale, Kernen und Stielgerüst.
  • Die Herkunft hilft, die Textur einzuordnen (samtig, fest, oder eher “grün”).
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Tannine aus der Traube: Schale, Kerne und Stielgerüst

Die Traube ist die wichtigste natürliche Tanninquelle im Wein. Tannine gehören zu den Polyphenolen, die in unterschiedlichen Teilen der Beere und des Traubenstiels vorkommen.

Teil der TraubeTypischer BeitragWahrnehmung (grob)
SchaleStruktur und VolumenFeinerer Griff bei guter Reife
KerneSehr konzentriertes TanninEher bitter und austrocknend, wenn dominant
StielgerüstKräftiges, vegetales TanninMarkanter, “grüner” Eindruck, wenn nicht integriert

Tannine aus der Traubenschale

Die Schale ist in vielen Qualitäts-Rotweinen die wichtigste und “gewünschteste” Tanninquelle.

  • Wird während des Maischekontakts extrahiert, wenn der Most mit den Schalen in Kontakt ist.
  • Bringt Struktur und Volumen, oft mit einem feineren, ausgewogeneren Griff.
  • Wirkt bei reifen Trauben häufig samtiger.

Wie viel (und wie fein) Schalentannin entsteht, hängt unter anderem ab von:

  • Rebsorte
  • Reifegrad
  • Dauer und Technik der Extraktion/Maischearbeit

Darum sind Sorten wie Nebbiolo, Cabernet Sauvignon, Syrah oder Tannat für ihre tanninreichen Profile bekannt.


Tannine aus den Kernen

Kerne enthalten besonders konzentrierte Tannine, die schnell aggressiver wirken können.

  • Gelangen stärker in den Wein, wenn Kerne zerdrückt werden oder lange im Kontakt bleiben.
  • Wirken häufiger bitter und austrocknend.
  • Sind oft weniger erwünscht, wenn sie die Struktur dominieren.

In der modernen Vinifikation wird die Extraktion deshalb häufig so gesteuert, dass Kern-Tannine nicht überhandnehmen—vor allem, wenn die Trauben nicht optimal reif sind.


Tannine aus dem Stielgerüst

Das Stielgerüst (holzige Teile des Traubenstiels) kann sehr kräftige, vegetale Tannine liefern.

  • Ob sie mitwirken, hängt davon ab, ob vollständig entrappt wird.
  • Sie können Kräutrigkeit und markanten Griff beitragen.
  • Werden bewusst nur in bestimmten Stilrichtungen eingesetzt.

In den meisten Weinen wird das Stielgerüst entfernt, um zu viel “Grün” und übermäßige Trockenheit zu vermeiden.


Tannine aus dem Holz: Einfluss des Fassausbaus

Neben der Traube können Tannine auch aus dem Holz stammen—vor allem, wenn der Wein im Fass reift.

Wie das Fass Tannine einbringt

Während des Ausbaus extrahiert der Wein aus dem Holz:

  • Tannine
  • Aromastoffe
  • Strukturgebende Verbindungen

Diese Holz-Tannine können:

  • Die Struktur verstärken
  • Stabilität und Reifefähigkeit unterstützen
  • Bei guter Einbindung eher rund und “süßer” wirken

Der Effekt hängt u. a. ab von:

  • Holzart (französisch, amerikanisch, etc.)
  • Toasting
  • Dauer des Ausbaus
  • Fassgröße

Praktische Unterschiede: Traube vs Holz

Beides sind Tannine—trotzdem fühlt sich die Herkunft oft unterschiedlich an.

Schneller VergleichTrauben-TannineHolz-Tannine
HerkunftFrucht (Schale/Kerne/Stielgerüst)Eiche (Fass)
Typischer BeitragSortencharakter und GrundstrukturKomplexität, Rundung und Unterstützung
Typisches GefühlDirekterer Griff/AdstringenzOft weicher bei guter Integration

Trauben-Tannine

  • Kommen aus der Frucht
  • Prägen den Sortencharakter
  • Werden oft direkter als Adstringenz wahrgenommen
  • Sind zentral für natürliches Reifepotenzial

Holz-Tannine

  • Kommen aus der Eiche
  • Bringen Komplexität und Rundung
  • Wirken in der Regel milder im Griff (wenn gut integriert)
  • Verstärken die vorhandene Struktur

Ausgewogene Weine kombinieren häufig reife Traubentannine mit einem maßvollen Holzausbau, ohne dass einer der Aspekte dominiert.


Warum es wichtig ist, die Herkunft zu verstehen

Wenn du weißt, woher Tannine stammen, hilft dir das:

  • Ein Mundgefühl besser vorauszusehen
  • Einzuordnen, ob ein Wein Zeit braucht, um runder zu werden
  • Stile nach Vorlieben auszuwählen
  • Qualität und Stil besser zu bewerten

Tannine sind kein “Fehler”: Gut gearbeitet sind sie ein wichtiger Baustein, damit ein Wein strukturreich, gastronomisch und reifefähig ist.

In den nächsten Artikeln dieser Guide geht es darum, wie sich Tannine anfühlen, wie sie sich mit Reife verändern und welche Stile besonders tanninreich sind.

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